Presberg 1969

Motorsportler stürmten wieder die Rheingauer Alb

Rainer Braun schnellster Wiesbadener Fahrer

Der Berg erwehrte sich des Ansturms der hochgeputschten Maschinen: Viele Wagen nur noch Schrott

Das 9. HMSC-Taunus-Bergrennen stand unter einem nicht sehr günstigen Stern, denn die Streckeverhältnisse und das Wetter ließen keine optimalen Leistungen zu. So wurde sogar der Samstag zu einem Tag der Blechschäden, was bisher diese Veranstaltung nicht ausgezeichnet hatte. Nur knapp 3000 Zuschauer kamen am Renntag zum “Monte Preso”, wo sie auch noch von den Sportprototypen enttäuscht wurden, da weder die superschnellen Porsche noch die angekündigten Abarth Turbos am Start erschienen. So musste wieder einmal Altmeister Sepp Greger auf seinem Porsche 911 T seine Trickkiste auspacken und für Stimmung sorgen. Er fuhr mit 2:07,6 die zweitschnellste Zeit und einen neuen GT-Rekord. Die spektakulärste Leistung des Tages aber vollbrachte der Wiesbadener Rainer Braun auf einem Formel-V mit 2:10,5, denn er blieb damit nur um 5,2 Sekunden hinter dem Tagesschnellsten Friedrich Leinenweber aus Pirmasens auf einem Porsche 910 zurück.

Nicht nur Renn-Fans können ermessen, wie viel fahrerisches Können dazu gehört, auf einem zwar modifizierten, aber immerhin “serienmäßigen” VW-Motor mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 90 km/h die 3,3 Kilometer lange Strecke zwischen Wispertal und Rheingauer Alb hinaufzufahren. Rainer Braun fuhr erstmals den neuen MC Namara Sebring MK 1 und ließ die gesamte Formel-V-Konkurrenz deutlich hinter sich zurück. Der Langenhainer Werner Walsch auf einem Austro V folgte Rainer Braun mit 2:23,3. Daß der Wiesbadener Sportjournalist mit seinen wenigen VW-Ps an die 205 von Sepp Greger und an die etwa 250 von Leinenweber so dicht herankam, unterstreicht das Fahrerische Können des jungen Wiesbadeners umso mehr. Auch er hatte allerdings am Samstag die gleichen Schwierigkeiten wie die Konkurrenz, die frischgeteerte Strecke wurde durch Sonne und Abrieb so glatt, das 14 Teilnehmer vorzeitig durch Ausrutscher von der Bahn ausschieden. Das es dabei nur zu Blechschäden kam, unterstreicht die Tauglichkeit der Presberger Strecke, dokumentiert aber auch das Können der Fahrer, die aus noch schwierigen Situationen das Beste machen können. Beim Renne selbst gab es nur einen Unfall, und den traf ausgerechnet das As der Alfa-Fahrer, den Wiesbadener Axel Sommer der Fox-Rennmannschaft, der kurz vor dem Ziel von der Bahn abkam. Aber auch bei ihm ging es mit leichten Schürfungen ab. Rennchef Gerd Kroeber (Wiesbaden) hatte vor der Fahrerbesprechung am Sonntag offenbar auf keine tauben Ohren getroffen, denn mit Ausnahme des Alfa-Fahrers gab es keinen spektakulären Ausrutscher.

An den Streckenrekord des Wuppertalers Günther Neuhaus mit 104 km/h Durchschnitt und 1:54,4 kam in diesem Jahr kein Teilnehmer heran. Das lag aber weniger am fahrerischen Können als am Material, denn die Spitzenfahrzeuge fehlten. Bedauerlich war, daß Organisationsleiter Helmut Rehbein (Mainz) erst in letzter Minute vom Fehlen des neuen Abarth Turbos von Walter Lehmann erfuhr; aber die italienischen Zöllner ließen die Wagen unabgefertigt an der Grenze liegen, so daß diese schnellen Geschosse nicht zum Einsatz kommen konnten. Für einheimische Starter gab es neben dem Sieg für Rainer Braun weitere gute Plätze und erste Punkte zur deutschen Bergmeisterschaft.

Allen widrigen Umständen zum Trotz war die Organisation des Wiesbadener Hesse-Motorsport-Clubs gemeinsam mit dem Finthener MSC vorzüglich. Bundeswehr und Polizei taten ein übriges dazu, daß HMSC-Präsident Frank Langejürgen und Rennsekretär Volker Carius (beide Wiesbaden) sich nach dem Rennschluß bei einer großen Zahl von Helfern und auch bei den Fahrern bedanken konnten. Das Taunus-Bergrennen dürfte mit dieser Veranstaltung nicht gestorben sein.

Bericht: Wiesbadener Kurier