Presberg 1972

Etwas für gute Augen!!

Am Start und im Fahrerlager

 

Berg-Entscheidung fällt am grünen Tisch

Nach dem Sieg von Oestreich im Presberg-Rennen legt sein Konkurrent Weiß Protest ein

6000 Zuschauer erleben in elf von vierzehn Kategorien neue Bestleistungen

Die Spannung im Kampf um die Deutsche Bergmeisterschaft war ohnehin schon bis auf den Siedepunkt gestiegen. Beim letzten und entscheidenden Lauf auf dem reichlich drei Kilometer langen, mit einem neuen Teerbelag versehenen Kurs von Presberg brachten die beiden Hauptakteure, Klaus Oestreich ((Neu-Isenburg) und Karl-Ludwig Weiß (Neustadt), unfreiwillig zusätzlichen Zündstoff in die ohnehin knisternde Atmosphäre: der Neu-Isenburger gewann bei den GTs bis 1300 ccm vor seinem direkten Gegenspieler, der zur Überraschung vieler Experten nicht mit seinem Fiat Abarth, sondern genau wie Oestreich mit einem Renault Alpine in den Rheingau gekommen war. Weiß protestiere jedoch gegen diesen Ausgang, weil mit dem Motor von Oestreich etwas nicht in Ordnung gewesen sei. Über den Protest wird heute entschieden, so das die Frage nach dem Titelträger immer noch im Raum steht.

Presberg erlebte bei strahlendem Herbstsonnenschein einen Renntag der Rekorde: in elf der insgesamt vierzehn Kategorien fiel die bestehende Bestzeit, die Höchstleistung in den Gesamtkategorien der Tourenwagen und GTs wurde ebenfalls ausgelöscht. Für eine Fast-Sensation sorgte der Tiedböringer Jordan bei den Sportwagen bis 1600 ccm: mit seinem March-Ford raste er bis auf eine halbe Sekunde an den absoluten Streckenrekord heran, aufgestellt im Vorjahr vom Offenbacher Michel Weber mit einem 620 PS-”offen”.

Mit 6000 Zuschauern lag die Besucherzahl niedriger als im Vorjahr, zurückzuführen auf den Termin am Saisonende, wo sich schon eine gewisse Renn-Müdigkeit ausbreitet. Auch auf die Aktiven hatte das seine Auswirkungen:: viele Spitzenpiloten fehlten unter den 100 Startern, da fast alles schon entschieden war. Bis auf einige Blechschäden brachte das HMSC-Team unter Volker Carius (Georgenborn) den Renntag reibungslos über die Bühne.

Bericht: Wiesbadener Kurier, Montag, 16. Oktober 1972

Presberglauf ein Rennen der Rekorde

Weiß will Markengefährten Oestreich hinausprotestieren

Karl Jordan schaffte den Streckenrekord nicht

Beim HMSC-Taunusbergrennen in der Rheingauer Alb hagelte es beim letzten um die deutsche Bergmeisterschaft nur so Rekorde! Auf dem hervorragenden neuen Straßenbelag gab es in nicht weniger als elf  Klassen neue Bestleistungen und dadurch wurden auch die Rekorde bei den Tourenwagen, den GT-Fahrzeugen und den zweisitzigen Rennwagen gebrochen. Noch nicht entschieden ist, wer neuer deutscher Bergmeister wird, da der Zweite, Weiß aus Neustadt, gegen seinen siegreichen Markengefährten Oestreich, einen Protest laufen hat. Eine halbe Sekunde langsamer als Rekordhalter Michel Weber aus Offenbach war Karl Jordan auf seinem March Ford, so daß der Bergrekord unangetastet blieb. Etwa 6000 Zuschauer sahen die gutorganisierte Veranstaltung des Hesse-Motor-Sports-Cubs.

Die Entscheidung darüber, wer neuer deutscher Bergmeister wird, soll heute fallen, denn der Protest soll an Ort und Stelle entschieden werden. “Ich habe das Fahrzeug sichergestellt”, erklärte Rennleiter Volker Carius aus Georgenborn dem TAGBLATT. “Angeblich soll die Spur des Siegerwagens von Oestreich verbreitert sein, der Renault Alpine soll einen größeren Hubraum haben und außerdem stimme das Gewicht nicht. Am heutigen Montag wird alles geklärt sein!” Wie so oft im Motorsport muß nachträglich “am grünen Tisch” entschieden werden, wer letztlich Sieger und wer Besiegter ist. Es scheint in diesem Fall bei den Renaultfahrern Oestreich und Weiß wenig ““Stallanweisungen” zu geben, was ansonsten üblich ist. Nicht am Start war der Dritte der Bergmeisterschaft, Ingolf Arnold aus Idar-Oberstein auf seinem Simca, so das sich alles zwischen den beiden Alpine -Fahrern abspielte. Oestreich aus Neu-Isenburg fuhr in 1:56,2 Minuten neuen GT-Streckenrekord, bei den Tourenwagen war Albrecht Krebs aus Niedersteinbach auf Ford Escort in 1:54,0 Schnellster. Bei den zweisitzigen Rennwagen fiel endlich durch Karl Jordan aus Riedböringen auf seinem March Ford die alte Bestmarke. Mit dem sagenhaft schnellen 1600-ccm-Fahrzeug kam er auf 1:51,2 und blieb hinter Weber, der 1971 auf dem 5,2 -Liter Porsche 1:50,7 Minutengefahren war, nur um eine halbe Sekunde zurück. Zum sechstenmal in dieser Saison war damit Jordan Tagesschnellster. Schwere Unfälle gab es am Presberg diesmal nicht, aber die obligatorischen Blechschäden blieben nicht aus. Am Start waren zum Ausklang der Saison nur 92 Wagen, aber das unterstützte nur die Organisatoren, die minutiös die Rennen abwickelten. Rennleiter Volker Carius und seine Crew setzten die Tradition der HMSC-Organisationserfolge fort. Einheimische Fahrer kamen ebenfalls wieder auf einige recht ordentliche Plätze.

Bericht: Wiesbadener Tagblatt, Montag, 16. Oktober 1972